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 UdSSR-Kriegsgefangenenpost - Teil 3                zurück
Gerhard Simon

Die Kriegsgefangenenpost deutscher Soldaten in sowjetischem Gewahrsam und ihrer Angehörigen während und nach dem II. Weltkrieg

Die Kriegsgefangenenkarte eines ungarischen Kriegsgefangenen vom 2.4.1947 aus einem der Lager Bortschalo oder Musketa bzw. Polotschauri ist am 25.VII.1947 gemäß Empfängerstempel eingetroffen.

Der gleiche Empfänger erhielt eine Kriegsgefangenenkarte vom 26.VI. 1947 aus dem wohl benachbarten Lager Rustawi, die am 24.VII.1947 eintraf.

Kriegsgefangener Walter Körber fragte aus dem Kriegsgefangenenlager Odessa den Sudetendeutschen Heimatbund in Dresden nach der Anschrift seiner Eltern. Die Karte ging dort am 2. Juli 1947 ein und wurde am 6. Juli 1947 beantwortet.

Offenbar hatte die Nachfrage Erfolg, denn Walter Körber schrieb im Oktober 1948 aus dem Lager Lissistroj oder Lissitschansk, Poststempel Moskau vom 19.10.48, an seine Eltern in Gotha. Nach rückseitiger Notiz ist der Brief bereits am 23.10.1948 beim Empfänger eingetroffen.

Am 10.8.47 verwendete Frau Sauter eine Kriegsgefangenenantwortkarte, mit der sie sich für den "lang ersehnten Kartengruß" bedankte. Der Mittelbug der Karte ist Beleg dafür, dass der Kriegsgefangenen Sauter die Karte erhalten und bei der Entlassung in die Heimat mitgebracht hatte.

Kriegsgefangenenkarten mit dem Zudruck "T-3,6.IX-1946r" sind häufig anzutreffen. Der rückseitige Text der Karte vom 23.X.47 ist ziemlich kurz, ein Zeichen dafür, dass sich der Postverkehr verbessert hatte. Die Lager-Nr. 7399/E gilt für eine Reihe von Lagern, und zwar: Alexandrowka, Jewlaschowo, Pensa, Roshdestwenka, Solnoje, Sysran, Strelnoje und Tarnowoje.

Weniger oft trifft man auf Karten mit dem Zudruck "Verord. 3689. 19.VIII-46r". Die Karte wurde am 2.XII.47 in Morshin geschrieben und am 11.12.47 in Moskau abgestempelt. Sie trägt den üblichen Zensurstempel. Auch dieser Kartengruß ist kurz. Er trägt rückseitig die handschriftliche Notiz "geantwortet am 31.12.47".

Der Kriegsgefangene Walter Körber ist gemäß den vorliegenden Karten viel herumgekommen. Im Juni 1947 war in Odessa, im Oktober 1948 im Lager Lssistroj oder Lissitschansk, am 25.12.1948 in Rubeshnoje und am 7.5.1949 wohl wieder in Lissitschansk, möglicherweise jedoch Barbarapol oder Kadijewka oder Werchneje, die letzten vier mit der Lager-Nr. 7144/23.

Beide Karten sind an seine Eltern gerichtet. Er würde gerne öfter schreiben, aber die Karten sind rationiert. Walter Körber berichtet über den Erhalt deutscher Zeitungen und eine Feier zum Tag der Arbeit. Monatlich verdiente er ca. 100 bis 200 Rubel.

Der Vordruck dieser Kriegsgefangenenkarte vom 27.8.48 ist nicht häufig anzutreffen (ca. 1% des Gesamtaufkommens) und wurde in der Zeit vom 14.2.1947 bis 1.3.1948 festgestellt. Der Kriegsgefangene berichtet an seinem Geburtstag über den bescheidenen Gabentisch und die gute Kameradschaft.

Die Kriegsgefangenenkarte vom 15.9.1948 ist gekennzeichnet durch die unterstrichenen Überschriften. Dieser Vordruck ist mit ca. 3% am Gesamtaufkommen beteiligt, er wurde in der Zeit vom 13.1.48 bis 6.9.49 ausgegeben.

Oskar Sauter hatte erstmalig aus dem Lager Nishnij-Tagil nach Hause geschrieben. Inzwischen erhielt er mehrfach Post, diesmal mit normaler Postkarte, die gebührenfrei befördert worden war, obwohl der Hinweis "Kriegsgefangenenpost" fehlt. Auch diese Karte hat einen Mittelbug, Beweis für den Erhalt im Lager 7245/1.

Die Österreichische Post gab am 30.8.1947 5 Wohlfahrtsmarken zugunsten der Heimkehrerhilfe heraus. Der Wert 1S + 40gr folgte am 9.9.1947.

Ende des Jahres 1949 verloren die verbliebenen Kriegsgefangenen ihren geschützten Status. Die Sowjetunion strengte Kriegsverbrecherprozesse an und sprach Urteile von 15 bis 25 Jahren Zwangsarbeit aus. Auf der Postkarte vom 17.11.1951 aus Stalingrad fehlt der Hinweis auf "Kriegsgefangenenpost". Auf weiter verwendeten alten Vordrucken wurde der Hinweis auf Kriegsgefangenenpost durchbalkt.

Am 9.5.1953 verausgabte die deutsche Bundespost die sogenannte Kriegsgefangenen-Marke. Die Post der DDR schuf zur Überklebung dieser Marke die sogenannte Adenauer-Marke.

Die Niederschlagung des Aufstands am 17. Juni 1953 in der DDR zog eine brutale Reaktion der sozialistischen Machthaber nach sich. Mindestens 125 Menschen wurden standrechtlich erschossen, darunter 41 Sowjetsoldaten, die sich geweigert hatten, auf Deutsche zu schießen. Rund 25000 Deutsche aus Ost und West wurden verhaftet und teils zu hohen Haftstrafen verurteilt. Der Text der "Adenauer-Marke" machte nach dem 17. Juni 1953 keinen Sinn mehr, sie wurde als Postverschlusszettel für Briefe innerhalb der DDR verwendet. Selten findet man sie auf Post in den Westen aus Sammlerhand.

Heimkehrerzüge kamen grundsätzlich in Frankfurt/Oder an. Die Heimkehrer wurden im allgemeinen im Lager Gronenfelde untergebracht. Vorübergehend bestanden die Nebenlager "Carthaus" für 700 Personen und "Südring" für 200 Kranke.

Entlassungsschein aus russ. Kriegsgefanenschaft vom 8.12.1949. Am 5. April 1950 von Friedland nach Braunschweig entlassen. Dort am 8. Juni 1954 Kriegsgefangenenentschädigung beantragt.

Ausweis für ehemalige Kriegsgefangene mit Auszahlungsquittung, 16. Dez 1949, Ankunft in Gronenfelde, 5. April 1950 Anmeldung Braunschweig, 22. Mai 1955 Auszahlung.

Die Entschädigung wurde wie folgt berechnet:

  • Für 1945/6 keine Zahlung
  • 1947/8 1.-- DM/Tg. = 720.-- DM
  • 1949 2.-- DM/Tg. = 720.-- DM
  • Gesamt 1440.-- DM

Bei den Oberfinanzdirektionen wurden Wehrmachtsversorgungsstellen eingerichtet. Der Absender des Briefes aus Berlin ist eine deutsche Dienstelle, angesiedelt beim "Hohen Kommissariat der französischen Republik, Verwaltung für die Auswertung des WAST-Archivs". WAST ist die Abkürzung von "Wehrmachtsauskunftsstelle für Kriegsverluste", die es schon während des 2. Weltkrieges gab.

Heimkehrer, die keine Bleibe hatten, konnten in Heimkehrerheimen unterkommen.

Kriegsgefangenenpost war gebührenfrei.

Quellen:

  • Werner Boddenberg, mehrere Veröffentlichungen
  • Martin Schröter, Die Post der deutschen Kriegsgefangenen in der UdSSR und ihrer Angehörigen 1945-1956
  • Philatelie und Postgeschichte 1985
  • Wolfgang Vogt, Arge deutsche Feldpost
  • Leihgabe Steffen Werner
  • Leihgaben Wolfgang Zinecker