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 UdSSR-Kriegsgefangenenpost - Teil 2                 zurück
Gerhard Simon

Die Kriegsgefangenenpost deutscher Soldaten in sowjetischem Gewahrsam und ihrer Angehörigen während und nach dem II. Weltkrieg

Der Postaustausch zwischen den Kriegsgefangenen und ihren Angehörigen konnte erst nach dem Waffenstillstand beginnen. Die ersten kranken Kriegsgefangenen wurden im Juli 1945 entlassen, von denen erste mündliche Berichte stammen.

Besonders hart traf es ehemalige Offiziere, die aus englischer, amerikanischer oder französischer Gefangenschaft in die SBZ entlassen worden waren. Sie wurden dort erneut gefangen genommen.

Eine der ersten Karten ist am 28.7.1945 vom Lager Susdal geschrieben worden. Sie trägt den Moskauer Kriegs-Zensurstempel 69. Dieses Karten-Formular wurde in drei Lagern ausgegeben und dürfte die seltenste aller Vordruckkarten sein, ca. 1%.

Viele Karten tragen Druckvermerke, womit sich die Ausgabezeiträume bestimmen lassen. Eine frühe Karte trägt den Druckvermerk "Anordnung 1922". Ca. 4% des Gesamtaufkommens sind aus der Zeit vom 8.11.1945 bis 14.7.1946 bekannt. Die Lagernummer 286 von Reval wurde später in 7286 geändert.


 


 

 

 

Die Karten mit dem Druckvermerk Verord. 2675 17.IX-452 waren ebenfalls nur kurzfristig vom 13.3.-14.10.1946 mit ca. 2% des Gesamtpostaufkommens in Gebrauch.

Obwohl der Kriegsgefangene Willi Doherr nach eigenen Angaben bereits mehrfach aus Reval geschrieben hatte, fehlten erste Nachrichten aus der Heimat.

Ein besonderer Beleg ist die Karte aus den Lagern Kulebaki und Serbjanka.

Eine normale russische Ganzsache wurde in eine Rote-Kreuz-Karte verändert, indem man die Embleme des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds mit rotem Buntstift handschriftlich eingezeichnet hat. Die Karte trägt den am häufigsten anzutreffenden Zensurstempel.

Ein Ultimatum von 1940 zwang Rumänien zur Überlassung von Bessarabien und der Bukowina an die Sowjetunion. Im Juli 1941 wurde Rumänien Bündnispartner von Deutschland und gewann die verlorenen Gebiete zurück. Als die rumänische Armee 1942/43 Niederlagen gegen die Sowjetunion erlitt, wechselte Rumänien 1944 die Seite. Die umstrittenen Gebiete wurden nun Teil der Sowjetunion. Rumänien wurde Bündnispartner der UdSSR.

Diesen Umständen ist es wohl zu verdanken, dass rumänische Kriegsgefangene offensichtlich besser als deutsche behandelt wurden.

Der offensichtlich deutschstämmige Dr. Georg Neufeld war im Lager Nr. 74, Oranki. Der übliche Zensurstempel fehlt auf der Karte vom 16. VIII 1946.

Die Karte ist in Monova geschrieben worden. Dr. Neufeld ist besorgt über das Ergehen seiner Familie. Nur einen Brief hatte er bis dahin erhalten. Immerhin teilt er mit, dass er gesund ist und vielleicht in ein paar Tagen nach Ungarn, wohl über Rumänien, ausreisen werde.

Kriegsgefangenenkarten als Antwortkarten aus der Heimat sind seltener als Karten aus den Lagern in die Heimat. Bei der Entlassung aus der Gefangenschaft wurden in der Regel den Kriegsgefangenen alle Schriftstücke abgenommen.

Oskar Sauter hatte die Karte mit dem Druckvermerk "2675 17.IX -45 r" von seiner Frau vom 25.8.1946 aus Stuttgart am 8.11 erhalten und so gut aufbewahrt und versteckt, dass sie bei der Ausreise unentdeckt blieb.

An den Kriegsgefangenenformularen hing eine Karte für die Rückantwort.

Bei vorliegendem Fall kann man kaum davon ausgehen, dass die Karte in Buchwald bei Liebau, d.h. östlich der Oder-Neisse-Linie der Familie des Horst Etrich zugestellt wurde. So sind die weiteren Wege dieser Karte und des Horst Etrich unklar. Der untere Teil des Formulars blieb unbenutzt.

Der Kriegsgefangene Horst Etrich teilt seinen Eltern und Geschwistern am 12.9.1946 mit, dass er mit dieser Karte ein zweites Lebenszeichen sendet. Er fragt auch nach Gretel, wohl seiner Braut.

Versuche aus der Heimat, Post in die sowjetischen Lager zu senden, waren häufig ergebnislos. Diese Ganzsache an das Postfach 144 a/12 des Roten Kreuzes in Moskau, Lager Altschewsk und Irmino, ist als Auslandspostkarte portogerecht frankiert, obwohl Kriegsgefangenensendungen gebührenfrei waren. Die Ankunft derartiger Poststücke ist zweifelhaft, obwohl auf diesem Beleg ein handschriftlicher Vermerk behauptet: "am 22.11.erhalten!"

Die Karte vom 13.12.46 aus dem Lager Nishnij-Tagil entstammt der 16. Druckauflage nach der Verordnung 395, sie trägt weder Kreuz noch Halbmond und besteht aus braunem dünnen Papier. Sie ist aus der Zeit vom 26.6.1946 bis 27.9.1949 bekannt und daher häufig anzutreffen (ca. 35% des Postaufkommens).

Die gleiche Druckauflage ist mit hellem dicken Papier bekannt. Diese Antwortkarte des Roten Kreuzes in Moskau betrifft das Lager Morsansk. Es wird Frau Kirchner mitgeteilt, dass über das Leben ihres Gatten nichts bekannt ist und auf die Suchstelle für vermisste Deutsche, Berlin W8, Kanonierstr. 35 verwiesen.

Die Antwortkarte von Carola Hornickel aus Manebach/Th. an ihren Mann im Lager Morsansk bestätigt den Eingang seiner Kriegsgefangenenkarte am 18.3.1947. Sie hat mit dieser Antwortkarte offensichtlich zum 15. mal geschrieben. Aus dem Text geht hervor, dass inzwischen nicht mehr der Hunger, sondern die Wohnungseinrichtung im Vordergrund stand.

Die Kriegsgefangenenkarte wurde am 27.II.49 geschrieben. Willi Doherr bestätigt den Eingang eines Briefes seiner Frau vom 7.12.48. Sein Wunsch, schnell nach Hause zu kommen, ist offensichtlich in Erfüllung gegangen.