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 UdSSR-Kriegsgefangenenpost - Teil 1                zurück
Gerhard Simon

Die Kriegsgefangenenpost deutscher Soldaten in sowjetischem Gewahrsam und ihrer Angehörigen während und nach dem II. Weltkrieg

Die Sonderganzsache der Deutschen Post AG vom 13.10.2005 zur Erinnerung an die Rückkehr der letzten deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion im Jahre 1955 ist Anlass für eine Betrachtung der Schicksale der Betroffenen.

Am 22. Juni 1941 marschierte die deutsche Wehrmacht in die Sowjetunion ein. Schnell wurden große Geländegewinne und Tausende von Kriegsgefangenen gemacht. Aber auch dem Gegner fielen Kriegsgefangene in die Hände. Eine Übersicht zeigt die erschreckenden Schicksale deutscher Soldaten.

In den Jahren

  • 1941/42 ca. 170.000 Kriegsgefangene: 90-95% verstorben

  • 1943 ca. 205.000 Kriegsgefangene: 60-70% verstorben

  • 1944 ca. 530.000 Kriegsgefangene: 30-40% verstorben

  • 1945 ca. 2.400.000 Kriegsgefangene: 20-25% verstorben

Das Exponat hat das Ziel, Kriegsgefangenen-Postkarten und andere Belege zum Thema chronologisch aufzuführen und so die politische und soziale Entwicklung zu zeigen.

Unmittelbar nach dem Beginn der Kampfhandlungen nahm das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) mit den kriegführenden Parteien Kontakt auf. Das Telegramm Nr. 6183 des IKRK vom 23. Juni 1941 hatte folgende Wortlaut:

Die Sowjetunion gab bereits am 27. Juni 1941 durch den Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, Molotow, telegraphisch ihre Zustimmung bekannt. Die deutsche Seite hatte eine erste Liste mit den Namen von Gefangenen der Roten Armee erstellt, eine Kopie wurde am 20. August 1941 nach Moskau gesandt, der Empfang wurde am 26. August 1941 bestätigt.

Den Aktivitäten in den ersten Kriegswochen folgten Detailverhandlungen, die jedoch scheiterten, da entsprechende Listen über deutsche Gefangene von der Sowjetunion nicht geliefert wurden und man bei der deutschen Heeresleitung dem Eindruck entgegenwirken wollte, dass deutsche Kriegsgefangene nach internationalem Recht behandelt würden.

Die Sowjetunion hatte 1941 bereits Kriegsgefangenenpostkarten gedruckt, die vereinzelt ab 1942 über die Türkei nach Deutschland gekommen waren, aber abgefangen wurden und ihre Empfänger nur in den seltensten Fällen erreicht hatten.

Nach dem Scheitern der Verhandlungen entbrannte ein Propagandafeldzug der Sowjetunion, indem z.B. Postkarten mit den Abbildungen deutscher Kriegsgefangener hinter der Kampflinie abgeworfen wurden.


 


 

Beispiel für eine Abwurfkarte
 

Die Feldpostkarte des Generalkommando VI. Armeekorps vom 7.9.43 ist ein Zeichen für die Aussichtslosigkeit Deutschlands, 1943 den Krieg noch zu gewinnen. Am 2.2.1943 hatten sich die letzten deutschen Soldaten in Stalingrad ergeben, am 13.5.1943 kapitulierten die deutschen und italienischen Truppen in Tunesien. Der Maschinenstempel ist ein Hinweis auf die Luftüberlegenheit der Alliierten.

Die Feldpostkarte teilt der Ehefrau des Gren. Erich Wächter mit, dass Wehrsold und Frontzulage für ihren Mann vom 21.11.42 (Tag der Kesselbildung in Stalingrad) bis 3.2.43 (Tag der Kapitulation) an sie gezahlt werden (185 RM).


 


 


 


 

Das Reichssicherheitshauptamt verhinderte erfolgreich die Zustellung von Kriegsgefangenenpost aus der UdSSR im 2. Weltkrieg. Diese Maßnahme hatte offensichtlich das Ziel, die Heimat über die Situation der Kriegsgefangenen in der Sowjetunion im Unklaren zu lassen, um so die Wehrkraft zu stärken.

Dieser Beleg ist der einzige aus der Kriegszeit, der in Sammlerhand gelangt ist. Der Kriegsgefangene war im Sept. 1943 in Gefangenschaft geraten. Offensichtlich ahnte er, dass direkte Post in der Heimat nicht zugestellt wurde. Er bat daher seinen Kameraden Rudolf Hevacek, seine Frau in Wien von seinem Überleben zu benachrichtigen.

Die Karte wurde aus dem Gefangenenlager 35 Lebedjan, ca. 300 km südlich Moskau und ca. 180 km hinter der damaligen Front gelegen, geschrieben. Sie trägt den Moskauer Zensurstempel 89 und weitere Zensurstempel der Alliierten.