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H o m e

 100 Jahre politische Propaganda -
  Die Post als Werbeträger              
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Weimarer Republik 1919 bis 1933

Neuanfang

Am 9. November 1918 hatte Philipp Scheidemann die Republik ausgerufen.

Die Nationalversammlung trat im Februar 1919 in Weimar zusammen, da in Berlin starke politische Unruhen herrschten. Am 22.6.1919 wurde der Versailler Vertrag und am 11.8.1919 die sog. "Weimarer Verfassung" angenommen.

Am 1. Juli 1919 gab die Reichspost drei nur im Inland gültige "Erinnerungsmarken" zur Propagierung der Nationalversammlung heraus. Der Weltpostkongress in Washington hatte 1897 die Verwendung von Sonderpostwertzeichen im Weltpostverkehr untersagt. (Erst ab 1920 wieder zulässig.) Der große Verkaufserfolg führte zur Ausgabe der 30 Pf-Marke im Februar 1920 für das erhöhte Postkartenporto ab Mai 1920.
 

Die Schweiz erkannte die 15 Pf-Marke nicht an und verhängte 40 Rappen Nachgebühr.

Die junge Demokratie löste sich nur behutsam von den Traditionen des Kaiserreichs.

Bei der am 15.3.1920 erschienenen Marke zu 2,50 Mark ist aus der Kaiserkrone eine Fackel geworden, zum Vergleich die Ausgabe mit gleichem Motiv (Nord-Süd) von 1902 mit der Kaiserkrone. Beide Ausgaben galten bis zum 31.10.1922. Das Markenmotiv entstammt dem Allegorienbild "Victoria" des wilhelminischen "Malerfürsten" Anton von Werner. Berühmt ist sein Gemälde der Kaiserproklamation in Versailles 1871.

Deutschland nach dem Versailler Vertrag

Der Versailler Vertrag stellte das Saargebiet für 15 Jahre unter die Verwaltung des Völkerbundes, dessen Regierungskommission Anstoß an den Farben "Schwarz Weiß Rot", den deutschen Nationalfarben, der Einschreibzettel nahm.

Harmlose Einschreibzettel als politische Propaganda?
 


 

Herkömmlicher Einschreibzettel, verwendet bis 1920

Ab 1920 bis 1935 wurden im Saargebiet grüne R-Zettel in verschiedenen Ausführungen verwendet.

Am 20.3.1921 fand in Oberschlesien eine Volksabstimmung statt. Die Bevölkerung war aufgerufen, sich entweder für Polen oder Deutschland zu entscheiden.
 

„Wählt Deutsch“ auf Propagandamarke ohne Frankaturkraft

In Oberschlesien hatte die Mehrheit der dort Geborenen am 20.3.1921 für den Verbleib bei Deutschland gestimmt. Zur Stimmabgabe kamen Tausende. Die Kosten sollten u. a. durch eine privat organisierte „Grenzspende“ aufgebracht werden. Wer die gewünschten 5 M oder weniger zahlte wurde schriftlich erinnert. Die Grenzziehung widersprach dem Wahlergebnis.
 


 

Maschinenwerbestempel, Erinnerungsstempel „Warum“ und Vermerk „3 M“

Maschinenwerbestempel vom 19.9.1921, kurz vor der Teilung Oberschlesiens (Auslandspostkarte)

Die staatliche Rhein-Ruhr-Hilfe linderte die Not im von 1923 bis 1925 von belgischen und französischen Truppen besetzten Rheinland.
 


 

Briefmarke vom 19.2.1923


 

Private Bildpostkarte mit Hetzparole gegen Ausplünderung durch die Siegermächte

Doch es wurden auch demokratische Traditionen gepflegt. Privatganzsache von 1923 zur Erinnerung an die Deutsche Nationalversammlung vor 75 Jahren. Abgeordnete in der Paulskirche, herausragend Präsident v. Gagern.

Aufkeimender Nationalismus in Europa

Bereits 1924 regierten in Italien die Faschisten unter Mussolini, der im November 1923 das Wahlgesetz zu seinen Gunsten ändern ließ.
 


 

Der Maschinenstempel vom 5.4.1924 macht ungeniert Wahlpropaganda für die Nationalisten.

Londoner Maschinenstempel vom November 1926: "BRITISCHE WAREN SIND DIE BESTEN"

Im Verlauf der 20-er Jahre, den goldenen, kam es zu einem weltweiten Wirtschaftsaufschwung. Überproduktion war die Folge, die Preise verfielen. Der Wettbewerb wurde härter.
 

Privatganzsache zum Allgemeinen Deutschen Fliegergedenktag. Die Inschrift lautet: „Wir toten Flieger wurden Sieger durch uns allein! Volk! Fliege Du wieder und Du wirst Sieger durch Dich allein.“

Weltwirtschaftskrise

Am 13.5.1927 erlebten die deutschen Börsen ihren "Schwarzen Freitag".

Sonderganzsache zum 80. Geburtstag des Reichspräsidenten v. Hindenburg, Verkörperung patriotischer Propaganda seit seinem Sieg in der Schlacht bei Tannenberg im 1. Weltkrieg

Die Inschrift lautet: "Zur Linderung der Not im Mittelstand und bei den Sozialrentnern ist der Ertrag der Hindenburg-Marken bestimmt. Wer dazu mithilft, macht mir eine besondere Geburtstagsfreude! von Hindenburg"
 

In Berlin und Dresden wurde vom 24.9 bis 6.12.1927 der Maschinenstempel mit dem Text: "Gebt zur Hindenburg-Spende" verwendet.

Der Text der Privatganzsache zur Hindenburgspende lautet: "Die Kriegsveteranen und Waisen vor Not schützen, das harte Los der Kriegsbeschädigten zu lindern, muss uns allen besondere Ehrenpflicht sein. Wenn durch die Hindenburg-Spende die Möglichkeit geschaffen würde, die Fürsorge des Reiches tatkräftig zu ergänzen, so würde mir das zu meinem 80-jährigen Geburtstag als schönste Freude gelten!"

Berlin, 15. Juli 1927. von Hindenburg