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Postverkehr Deutsches Reich - USA 1871 - 1875          zurück
Postverkehr zwischen dem Gebiet der Deutschen Reichspost und den Vereinigten Staaten von Amerika 4.5.1871 - 31.12.1875

von Hansmichael Krug, Frankfurt am Main

Die verschiedenen Transitwege - Der schnelle Weg über Großbritannien - mit Franco-Kennzeichnung

Die Beförderungszeiten der Korrespondenzen im Transit über Großbritannien waren in der Regel deutlich kürzer als die über Bremen und Hamburg. Das lag zum einen an den schnelleren englischen Schiffen und zum anderen an den täglich mindestens einmal abgehenden Schiffen der verschiedenen englischen Schifffahrtslinien.

Diese Schifffahrtsgelegenheiten konnten schnell durch die Eisenbahnverbindung via Köln - Aachen - Ostende und London erreicht werden.

Die auf diesem Weg beförderte Post wurde beim Bahnpostamt Nr. 10 ambulant einzeln auf die Richtigkeit der Frankatur geprüft und bei korrekter Frankatur mit einem roten FRANCO-Stempel gekennzeichnet. Um die Masse der aufgelieferten Briefe bearbeiten zu können, waren mehrere FRANCO-Stempel gleichzeitig im Einsatz.

Diese Stempelformen kamen ab 1870 bis zum Ende der Kennzeichnungspflicht Anfang 1874 zum Einsatz

Die Portosätze für diesen Transitweg waren höher als die für den Transit von deutschen Häfen aus, da zusätzlich eine belgisch-englische Transitgebühr zu entrichten war.

Das Porto für Briefe bis 15 Gramm betrug ab dem 1.7.1870 bis zum 30.9.1871 4 Groschen oder 14 Kreuzer.

14 Kr. auf Brief von FRANKFURT A.M. 20 5 71 (Samstag) mit rotem Ra1 Franco. via Köln - Aachen - Ostende und London nach Liverpool. Von dort mit dem Dampfer "Algeria" der Cunard Line nach New York befördert mit Eingangsstempel NEW YORK PAID ALL JUN 3 Wäre der Brief am Mittwoch über Hamburg befördert worden, wäre er mit dem HAPAG Dampfer "Holsatia" erst zwei Tage später am 5. Juni 1871 in New York eingetroffen.

Porto bis zum 30.9.1871 4 Groschen oder 14 Kreuzer.

Brief bis 15 Gramm mit Preußen Ra3 BÜNDE / IN WESTFALEN / 21 6 71 (Mittwoch) und rotem Ra1 Franco. via EPB 10 Aachen - Ostende und London nach Liverpool. Von dort mit dem Dampfer "Scotia" der Cunard-Line nach New York und weiter nach Ottawa, Illinois. Dort war der Brief wegen der ungenügenden Adresse nicht zustellbar und bekam daher den Ra1 ADVERTISED für den Aushang im Postamt. Da der Adressat sich nicht meldete, erhielt er den K1 UNCLAIMED und wurde mit dem einzeiligen Schreibschrift Rechteckstempel "Retour." am 22 JUL nach Deutschland zurückgeschickt.

Hier wurde der Brief mit dem Ra1 "Unbestellbar" versehen, amtlich geöffnet, der Absender mit roter Tinte auf dem Umschlag vermerkt und mit dem Lacksiegel "AMTLICH GEÖFFNET DURCH DIE OBER- POST-DIRECTION IN MÜNSTER" wieder verschlossen. Da der Absender in Bünde nicht ermittelt werden konnte, erhielt der Brief den handschriftlichen Vermerk "Absender der Postverwaltung in Bünde unbekannt". Ein wirklich an"sprechender" Beleg!

Kennzeichnung der ausreichenden Frankatur mit rotem Rahmenstempel Franco.

Feldpostbrief aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871

Portopflichtiger Feldpostbrief eines Feldwebels mit Feldpost EKr. K.PR:FELD-POST-EXPED: 9. INF:DIV: 22/5 (1871)
nach New York. Das Porto für Briefe in die USA über den Leitweg Aachen - Ostende - London - Liverpool von 4 Groschen - bestätigt durch den "Franco." Ra1 vom EBP 10 - wurde vom Absender bar eingezogen (Blaustifttaxe "4"). Die handschriftliche amtliche Bestätigung "in der Franco Einnahme Nachweisung pro Mai unter Nr. 1 vereinnahmt / Unterschrift" erfolgte in Ermangelung eines F(ranco) EKr. für die bare Franco-Einnahmenachweisung.

Bis zum 30.9.1871 betrug das Porto für Briefe pro 15 Gramm 4 Groschen. 2 Gr. im waagrechten Paar auf Brief bis 15 Gramm mit Sachsen Ra2 DRESDEN / 9 VI 71 (Freitag) via Köln, Aachen, Ostende und London nach Liverpool. Von dort mit dem Dampfer "Parthia" der Cunard Line nach New York mit rotem Eingangsstempel NEW YORK PAID ALL JUN 24 und weiter nach Springfield Ill.

Ab dem 1.10.1871 betrug das Porto für Briefe pro 15 Gramm nur noch 3 Groschen. Brief bis 15 Gramm mit Sachsen DKr. DRESDEN 11 DEC. 71 (Montag) via Köln, Aachen, Ostende und London nach Liverpool, und von dort mit dem Dampfer "City of Washington" der Inman Line nach New York mit EKr. NEW YORK PAID ALL DEC 29

3 Gr.- Porto als Teilbarfrankatur (1/2 Gr. bar vereinnahmt und mit dem roten F-Stempel bestätigt) auf Brief bis 15 Gramm von BREMEN 22 3 73 (sehr seltene Entwertung der Marken mit dem roten F-Stempel, Samstag) mit rotem Ra1 Franco. via Köln, Aachen, Ostende und London nach Southampton. Dort konnte noch der Dampfer "Donau" des Norddeutschen Lloyd erreicht werden, der bereits am Samstag-Vormittag in Bremen abgegangen war. In New York erhielt der Brief den rotem Eingangs EKr. NEW YORK PAID ALL APR 5

Brief bis 15 Gramm von BERLIN P.E.No1 31 3 72 (Sonntag) versehentlich auf Hamburg geleitet und dort mit dem roten L1 FRANCO gekennzeichnet und gestrichen nachdem der Irrtum bemerkt wurde. Korrekt auf das EPB 10 geleitet, dort mit dem Ra1 Franco versehen und via London und Liverpool mit dem Dampfer "City of New York II" der Inman Line nach New York und weiter quer über den amerikanischen Kontinent nach Kalifornien befördert.

3 Gr.-Porto auf Brief bis 15 Gramm von HAMBURG POSTEXPED.1. 12 8 73 (Dienstag) mit rotem Ra1 Franco. via EBP 10, London und Liverpool, von dort mit dem Dampfer "City of Chester" der Inman Line nach New York und weiter nach Boston gesandt mit Ankunft am 25.8.1873. Wäre der Brief am nächsten Tag von Hamburg mit dem Dampfer "Silesia" der HAPAG befördert worden, wäre der Brief erst am 28.8. in New York gewesen. Die Zeitersparnis von 3 Tagen war dem Absender offensichtlich ½ Groschen höhere Gebühr wert.

17 Kr.-Porto auf eingeschriebenem Brief bis 15 Gramm von FRANKFURT A.M. / POSTEXPED. No 1 / 24 4 73 (Donnerstag) mit rotem Ra1 Franco. via Köln, Aachen, Ostende und London nach Liverpool. Von dort mit dem Dampfer "Algeria" der Cunard Line nach New York mit vorderseitigen roten DKr. NEW YORK REGISTERED MAY 8. Das Porto setzt sich aus 10 Kr. Beförderungsgebühr + 7 Kr. Rekommandationsgebühr zusammen.

 

Kennzeichnung der ausreichenden Frankatur mit rotem Einzeiler FRANCO

3 Gr.-Porto auf Brief bis 15 Gramm von LEIPZIG 10 FEB. 73 mit rotem Einzeiler FRANCO via Köln - Aachen - Ostende und London nach Liverpool. Von dort mit dem Dampfer "City of Brooklyn" der Imman Line nach New York mit rotem EKr. NEW YORK PAID ALL FEB 26.

Kennzeichnung der korrekten Frankatur mit dem roten Einzeiler FRANCO vom BPA Aachen. 10 Kr.-Porto auf Brief bis 15 Gramm von FRANKFURT A.M. 4/5 73 (Sonntag) über Aachen - Ostende - London nach Southampton. Dort erreicht der Brief den am vergangenen Samstag in Bremen abgegangenen Dampfer "Donau" des Norddt. Lloyd und ist am 17.5. in New York.

 

Kennzeichnung der korrekten Frankatur durch den roten Grotesk-Einzeiler FRANCO

3 Gr.- Porto auf Brief bis 15 Gramm von HAMBURG I.A. 18 OCTBR. 73 (Samstag) via Köln - Ostende und London nach Southampton wo der Brief den am Samstag in Bremen abge-gangenen NDL-Dampfer "Weser II" erreichen konnte, Ankunft in New York 1. November.

20 Kr.-Porto auf Brief der 2. Gewichtsstufe (über 15 - 30 Gramm) von FRANKFURT A.M. / POSTEXPED No 1 / 11 12 72 (Mittwoch) via Köln - Ostende - London nach New York.
Frankiert ist der Brief mit 18 Kreuzer + 2 Kreuzer orange, beide kleiner Schild, Ausgabe 1872.

 

Die verschiedenen Transitwege - der schnelle Weg über Großbritannien - Veränderung der Kennzeichnung

Ab Anfang 1874 wurden aus Arbeitsersparnisgründen nicht mehr die ausreichend frankierten Briefe, sondern nur noch die unfrankierten bzw. unzureichend frankierten Briefe gekennzeichnet, da deren Anteil nur noch ca. 10% der Gesamtkorrespondenz ausmachte.

3 Gr.-Porto auf Brief bis 15 Gramm von COBLENZ 4 9 (nachverwendeter Preußen DKr.) via Köln, Aachen, Ostende und London nach Liverpool. Von dort mit dem Dampfer "Scotia" der Cunard Line nach New York mit rotem Eingangs EKr. NEW YORK PAID ALL SEP 16 und weitergesandt nach Boston. Frankiert mit 1/2 Groschen orange, großer Schild + 2 1/2 auf 2 1/2 Groschen, großer Schild Ausgabe 1874.

3 Gr.-Porto auf Brief bis 15 Gramm von BREMEN 3 10 74 7-8N. (Samstag) via Köln, Aachen, Ostende und London nach Southampton. Dort erreichte der Brief den schon am Samstagmorgen in Bremen abgegangenen Dampfer "Oder" des Norddeutschen Lloyd mit dem er nach New York befördert wurde. Rückseitig EKr. NEW YORK PAID ALL OCT 18.

10 Kr.-Porto auf Trauerumschlag bis 15 Gramm von FRANKFURT A.M. / WESTENDE / 29 6 74 (Montag) ohne FRANCO-Stempel über Köln, Aachen, Ostende und London nach Southampton. Dort mit dem Dampfer "Cuba" der Cunard Line nach New York mit rückseitig rotem EKr. NEW YORK PAID ALL JUL 15. Frankiert mit 3 Kreuzer + 7 Kreuzer, beide großer Schild, die 7 Kreuzermarke ist im kleinen Format L15.

30 Kr.-Porto auf Ganzsachenumschlag mit Zusatzfrankatur als Brief der 3. Gewichtsstufe (über 30 - 45 Gramm) von FRANKFURT A.M. / POSTEXPED. No 1 / 5 3 74 (Donnerstag) ohne FRANCO-Stempel über Köln, Aachen Ostende und London nach Liverpool. Von dort mit dem Dampfer "Algeria" der Cunard Line nach New York mit rückseitig rotem Eingangs EKr NEW YORK PAID ALL MAR 18. Die linke 7 Kreuzer Marke hat die Besonderheit: Ausgefallenes Zähnungsloch oben und unten in der 6. Position (FZL ou6).