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 Moses Mendelssohn                                                             zurück

Die politischen Geschehnisse der letzten Monate in der Bundesrepublik haben das Interesse der Öffentlichkeit auf das Verhältnis der Deutschen zu den Juden verstärkt. Da lohnt sich ein Blick in die Geschichte und dabei stößt man schnell auf Moses Mendelssohn, den wohl berühmtesten deutschen Juden in der "Aufklärung".

Moses Mendelssohn wurde vor 275 Jahren in Dessau geboren. Das genaue Geburtsdatum ist umstritten, 17.8.1728 oder 6.9.1729. Zum 250. Geburtstag erschien bei der Deutschen Bundespost Berlin eine Sondermarke.

Im Jahre 1743 kam Moses Mendelssohn nach Berlin. Als Jude hatte er es schwer in Preußen. Er war Schüler der jüdischen Gemeinde und galt als "ungeschützter ausländischer Jude". Mit 21 wurde er Hauslehrer und später Buchhalter und Prokurist einer Seidenfabrik.

Juden mit dem Recht auf dauernden Wohnsitz in Preußen benötigten einen "Schutzbrief", den Moses Mendelssohn für seine Familie und sich im Juli 1763 beantragt hatte. Am 26.10.1763 erhielt er den Schutzbrief, jedoch nur für sich, mit der Folge, dass im Falle seines Todes, die Familie sofort ausgewiesen werden konnte. Erst 1787, ein Jahr nach dem Tode von Moses Mendelssohn und zwei Jahre nach dem Tode Friedrich des Großen gewährte der neue König Friedrich Wilhelm II den Schutzbrief für die Witwe und die sechs Kinder.
 

Friedrich II ist für uns Deutsche Friedrich der Große.


Berlin zur Zeit von Moses Mendelssohn
 


Bauwerke aus Berlin und Potsdam
 

Briefmarken aus Ost und West vermitteln ein Bild aus der Zeit von Moses Mendelssohn.

Aber zurück zur Bedeutung von Moses Mendelssohn! Im Jahre 1771 wollte die königliche Akademie Moses Mendelssohn zum Mitglied haben. Aber Friedrich II strich seinen Namen von der Bewerberliste. Als Trostpflaster gewährte er ihm 20 000 Taler Kredit für die Seidenfabrik, an der Moses Mendelssohn inzwischen beteiligt war.

Die Juden hatten in Preußen noch bis in die Zeit der Aufklärung einen schweren Stand. Lessing, enger Freund von Moses Mendelssohn, setzte ihm mit seinem "Nathan der Weise" ein würdiges Denkmal.



 

Moses Mendelssohn und sein Freund Lessing

Moses Mendelssohn und Lessing waren gleich alt.

Briefmarken mit den Bildnissen von Zeitgenossen, mit denen Moses Mendelssohn Kontakt hatte


 
Kant

 
Lichtenberg


 
Herder
Wieland

Eine hübsche zeitgenössische Geschichte aus „Herr Moses in Berlin“, Berlin 1979, von Heinz Knobloch verdeutlicht die damalige öffentliche Stimmung. In Potsdam gab es zur Zeit Friedrichs II die sog.

"Bittschriftenlinde".

„Das war ein sagenhafter Baum in Potsdam, unter dem sich die Bevölkerung mit ihren Bittschriften aufstellte. Dann ritt der König dort vorbei, ließ sich die Briefe aushändigen, überflog den Inhalt und gewährte alles. Selbst die ältesten Einwohner konnten sich allerdings nicht erinnern, das je erlebt zu haben.

Eines Tages stehen wieder weit über hundert Menschen an der Bittschriftenlinde Schlange, seit den frühen Morgenstunden. Gegen 11 Uhr kommt ein Schlossbeamter und teilt mit, der König werde heute nur wenig Zeit haben, deshalb: „Alle Juden raus!“ Die anderen rücken auf, während die Juden nach Hause gehen. Gegen 14 Uhr kommt wieder eine Mitteilung vom Schloss. Der König wird sich verspäten und noch weniger Zeit als vorgesehen haben, deshalb müssen alle Ungläubigen, Freimaurer, Atheisten, Dissidenten, Tätowierten, Ausländer und so weiter sofort die Warteschlange verlassen, in der nur noch die organisierten Christen stehen bleiben dürfen. Gegen 17 Uhr kommt ein Sekretär des Hofmarschalls und verkündet, Seine Majestät sei heute verhindert, man möge sich bitte ohne Murren entfernen. Da sagt einer zähneknirschend zu seinem Hintermann:

Immer werden die Juden bevorzugt!“

Moses Mendelssohn starb im Alter von 57 Jahren. Über ihn schrieb Bernt Engelmann in seinem Buch „Deutschland ohne Juden“, München 1975:

„Moses Mendelssohn ist der Stammvater einer ungeheuer zahlreichen Familie. Unter den Nachkommen und ihren Ehepartnern finden sich vierzig Adlige, außerdem eine Reihe von bedeutenden Bankiers und Industriellen, einige hohe Beamte und Richter, ein dutzend Berufsoffiziere und ebenso viele Rittergutsbesitzer, einige hervorragende Techniker, etliche Verlagsbuchhändler, namhafte Pädagogen, mehrere in der Sozialarbeit aktive Frauen, darunter drei Ordensschwestern, zahlreiche bekannte Schriftsteller, Musiker, Schauspieler und andere Künstler, viele Ärzte, mehrere Anwälte und insgesamt 31 Universitätsprofessoren, unter ihnen sechs, die man als Gelehrte von Weltruf bezeichnen kann.“

 

Ein Enkel von Moses Mendelssohn war Felix Mendelssohn-Bartholdy


Sondermarke aus dem Jahre 1997

 

Literatur:
Heinz Knobloch, "Herr Moses in Berlin", Berlin 1979
Bernt Engelmann, "Deutschland ohne Juden", München 1975