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H o m e

Trier im I. Weltkrieg 1914 - 1918                                         zurück
Lazaretteinrichtungen im 1. Weltkrieg

Rolf Bechtler

1. Allgemeines

Auf den meisten Feldpostbelegen des Ersten Weltkrieges findet man zusätzlich zu den Stempeln der Feldpost noch Formations- oder Dienststempel der Einheit des Absenders. Durch diese Stempel wurde die Feldpostberechtigung des Absenders bestätigt. Die Briefe und Karten waren damit gebührenfrei.
Auch die Lazarette waren mit solchen Stempeln ausgerüstet. Die Reichspost beförderte die mit "Feldpost" und "Dienststempel" kenntlich gemachte Post gebührenfrei.
Für den Heimatsammler stellen sie eine umfangreiche Quelle seiner Recherchen zur Militärgeschichte dar, zumal das Thema 1. Weltkrieg häufig nicht detailliert in der entsprechenden Heimatliteratur abgehandelt wurde.

Als Einleitung soll der folgende Auszug aus "Militärärztlicher Dienstunterricht ….." aus dem Jahr 1915 dienen. In diesem Unterrichtsbuch finden sich viele Definitionen militärischer Ausdrücke und Aufgabenbeschreibungen einzelner Dienststellen des Sanitätswesens.

Sanitätsdienst im Heimatgebiet

§ 124

Behörden und Lazarettwesen

1. Für den Sanitätsdienst …..
2. Das gesamte Sanitätswesen wird von der Medizinalabteilung des Kriegsministeriums geleitet.
Jedem stellvertretendem Generalkommando gehört ein stellvertretender Korpsarzt an. Ihm unterstehen auch alle Einrichtungen der freiwilligen Krankenpflege, z.B. die Vereinslazarette usw., die er häufig zu besichtigen hat. …..

Sämtliche in Betrieb bleibenden Militärlazarette, die der Festungen ausgenommen, führen mit Eintritt der Mobilmachung den Namen Reservelazarette. Weitere Reservelazarette werden neu angelegt. Die nötigen Vorbereitungen werden schon im Frieden so getroffen, daß ein Teil dieser Lazarette bis zum 10. Mobilmachungstag hergerichtet werden kann.
…..


Trier hatte als frontnahe Garnison eine große Bedeutung für die Pflege und Betreuung der verwundeten Soldaten. Zu Beginn des Krieges wurden zusätzlich zu den vorhandenen zivilen Krankenhäusern und dem bestehenden Garnisonlazarett, 8 Reservelazarette eingerichtet. Die von verschiedenen Orden/Vereinen geführten zivilen Krankenhäuser wurden als Vereinslazarette genutzt. Die Vereinslazarette wurden in die militärische Organisation eingegliedert, und unterstanden dem stellvertretenden Korpsarzt des VIII. Armeekorps, blieben aber unter selbständiger Verwaltung der Betreiber.

Außerdem wurde Ende September 1914 ein Genesungsheim im Cafe Weisshaus eingerichtet. Die Genesungsheime dienten zur Aufnahme und ärztlichen Behandlung solcher Unteroffiziere und Mannschaften, deren körperlicher Zustand den Anstrengungen des Dienstes zeitweilig nicht gewachsen war, für die aber eine weitere Behandlung im Lazarett nicht oder nicht mehr unbedingt notwendig war.
Insbesondere wurden hier Genesende nach schweren Krankheiten wie Lungen- und Brustfellentzündung, Diphterie, Thyphus, Ruhr usw. aufgenommen.

Auch innerhalb der Truppe gab es Genesungseinheiten. Nach einem längeren Lazarettaufenthalt wurden die Soldaten häufig zunächst in eine "Genesungseinheit" versetzt, in der sie wieder für Kampfeinsätze fit gemacht wurden.

2. Die Lazarette in Trier

Auflistung der Lazarette

  • Garnisonlazarett   Irminenfreihof
  • Reservelazarett I   Irminenfreihof
  • Reservelazarett Ia   Treviris
  • Reservelazarett II   Palastkaserne und Agnetenkaserne
  • Reservelazarett III   Hornkaserne oder Palastkaserne
  • Reservelazarett IV   Hornkaserne
  • Reservelazarett V   Städtische Kaserne Trier West
  • Reservelazarett VI   "161er" Kaserne und Devora Schule
  • Reservelazarett VII   Goebenkaserne
  • Reservelazarett VIII   Priesterseminar / Brüderkrankenhaus
     
  • Vereinslazarett I   Redemptoristenkloster St. Joseph
  • Vereinslazarett II   Evangelisches Krankenhaus
  • Vereinslazarett III   Marienkrankenhaus
  • Vereinslazarett IV   Mutterhaus der Borromäerinnen
  • Vereinslazarett V   Herz Jesu Krankenhaus
  • Vereinslazarett VI   St. Josephstift
  • Vereinslazarett VII   Kloster vom Guten Hirten
  • Vereinslazarett VIII   Krankenhaus der Barmherzigen Brüder

Des weiteren war auch im Böhmerkloster ab Kriegsbeginn ein Militärlazarett eingerichtet. Im Oktober 1915 wurde der Lazarettbetrieb eingestellt. Die Bezeichnung des Lazarettes, Stempel oder Belege mit entsprechender Absenderangabe sind bis jetzt nicht bekannt.

Bis jetzt sind mir 43 verschiedene Stempel Trierer Lazarette bekannt.

Im folgenden werden einige Belege von verschiedenen Lazaretten gezeigt. Da sich die Stempel im Großen und Ganzen ähnlich sind, wurde bewußt auf eine Gesamtdarstellung verzichtet.


2.1 Reservelazarette

Trier
Garnison-Lazarett
Irminenfreihof 8

Eingerichtet wurde das Garnisonlazarett vor dem I. Weltkrieg. Hier befand sich auch die "Auskunftszentrale über Verwundete".

Zwei verschiedene Briefstempel sind bekannt:

  • Königl. Pr. Garnisonlazarett Trier
  • Garnisonlazarett Trier

 

Trier
Reservelazarett I

Das Reservelazarett I war in der Liegenschaft des Garnison-Lazarettes eingerichtet und untergebracht. Es liegen Belege vor, die sowohl den Briefstempel Reserve-Lazarett I und zusätzlich den Briefstempel Garnison-Lazarett tragen. Außerdem gibt es auf mindestens 1 Beleg die Abs. Angabe z. Zt. Garnisonlazarett (Res.Laz. I) und den Briefstempel des Garnison-Lazarettes. Dies läßt darauf schließen, daß für beide Einrichtungen eine Poststelle zuständig war, und die Umbenennung gemäß der oben zitierten Weisung (§124) zwar durchgeführt wurde, aber beide Bezeichnungen nebeneinander verwendet wurden.

 

Trier
Reserve-Lazarett Ia

Das Reserve-Lazarett Ia wurde in der Treviris eingerichtet.
Es liegen zwei Karten mit Abs. Angabe "Reserve-Lazarett I" vor, außerdem findet man auf der Bildseite von AK mit Motiv Treviris den Eindruck "Reserve-Lazarett I Treviris"

Nummerierung Ia, Abs. Angaben und AK Motiv mit Eindruck lassen den Schluß zu, daß dieses Reservelazarett eine Außenstelle des Reservelazarettes I war. Ob auch die Post über die Poststelle des Garnisonlazarettes abgewickelt wurde, kann noch nicht gesagt werden. Hier fehlen noch Belege.

 

Trier
Reservelazarett II

Das Reservelazarett II war in der Palastkaserne und in der Agnetenkaserne eingerichtet. Es liegen sowohl Karten mit Abs. Angabe ResLaz II, Palastkaserne und Karten mit Abs. Angabe ResLaz II, Agnetenkaserne vor.

Zur Zeit sind zwei verschiedene Stempel bekannt:

  • Königl. Pr. Reservelazarett II
  • Briefstempel Res.-Laz- II. Trier

 

 

2.2 Vereinslazarette

Trier
Vereinslazarett III

Marienkrankenhaus
Paulinstraße

Mit Ausbruch des I. Weltkrieges wurde das Marienkrankenhaus als Militärlazarett eingerichtet, und ein bedeutender Teil der Räumlichkeiten für Verwundete in Beschlag genommen. Es gab auch eine Station für Ruhrkranke. Obwohl noch keine Belege aus den Jahren 1917 und 1918 vorliegen, ist anzunehmen, daß das Marienkrankenhaus während des Krieges durchgängig als Militärlazarett genutzt wurde.

Das Krankenhaus gehörte dem Orden der Franziskanerinnen. Es sind zwei verschiedene Ordensstempel bekannt, die auf Feldpostbelegen abgeschlagen sind. Sie bestätigten die Portofreiheit für die Patienten und das Personal.


 

Trier
Vereinslazarett V

Herz Jesu Krankenhaus
Friedrich Wilhelm Straße

Von Beginn bis zum Ende des Ersten Weltkrieges wurde das Herz Jesu Krankenhaus als Militärlazarett genutzt. Es liegen Belege aus den Jahren 1915, 1916, 1917 und 1918 mit Lazarettstempel vor. Zur Zeit sind zwei verschiedene Lazarettstempel und ein Ordensstempel (Beleg von 1914) bekannt.
Das Krankenhaus gehörte dem Orden der Franziskanessen.



Trier
Vereinslazarett VI

St. Josephstift
(Josefsschwestern)
Franz Ludwigstraße

Gemäß der Beleglage wurde das St. Josephstift während der gesamten Kriegszeit als Militärlazarett genutzt. Zur Zeit sind drei verschiedene Lazarettstempel und ein Ordensstempel bekannt. Der Stempel "Res. Lazarett Verwaltung St: Josephsstift" gibt noch Rätsel auf. Vielleicht wurde ja aus Unwissenheit ein falscher Stempeltext geschnitten.



 

2.3 Genesungsheim

Trier
- Genesungsheim Weisshaus

Das Cafe Weißhaus wurde Ende September 1914 in ein Genesungsheim umgewandelt. In der Halle des Cafes standen 50 Betten bereit, zur Betreuung fanden Vorlesungs- und Musikdarbietungen statt.
Zur Zeit sind zwei Stempel bekannt.


Auch innerhalb des Krankenhausbereichs des Vereinslazarettes VIII bestand ein Genesungsheim. Briefstempel sind bisher noch keine bekannt, auf mehreren Ansichtskarten findet sich aber eine Abbildung des Gebäudes. Vermutlich wurde die Post über das Vereinslazarett VIII abgewickelt und mit dessen Dienststempel versehen.

 

3. Krankentransportwesen / Lazarettzüge

Verwundete Soldaten wurden im Operationsgebiet zunächst in Feldlazaretten versorgt und anschließend, je nach Schwere der Verwundung, mit Kraftfahrzeugen zum Etappenhauptort verlegt. Von dort wurden Lazarettzüge zum Weitertransport ins Heimatgebiet eingesetzt. Die Lazarettzüge waren für Liegendkranke ausgestattet und hatten teilweise einen Chefarzt an Bord. Krankenzüge waren reine Transportzüge für alle Verwundeten, die nicht liegend transportiert werden mußten.
An den Bahnhöfen waren neben Krankensammelstellen auch Verpflegungsstationen und Verband- und Erfrischungsstellen eingerichtet.

  • Vereinslazarettzug "Trier F1"
  • Krankenzug Z3

Der Vereinslazarettzug "Trier F1" wurde im Oktober 1914 aufgestellt. Stiftung und erste Ausstattung hatten der Zweigverein vom Roten Kreuz und Vaterländischer Frauenverein Trier übernommen. Es befand sich kein Chefarzt im Lazarettzug.
Bislang sind keine Stempel vom Vereinslazarettzug "Trier" bekannt, sondern nur zwei verschiedene AK mit Bildmotiven vom Zuginnern.

Krankenzüge wurden unter Vermittlung der Krankentransportabteilungen von den Eisenbahnbehörden bei Bedarf aus Personenwaggons zusammengestellt, das begleitende Pflegepersonal gehörte zum Bestand der Freiwilligen Krankenpflege. Sie pendelten zwischen dem Etappengebiet und dem im Heimatgebiet jeweils zuständigen Sanitäts-Transport-Kommissar.

Der Sanitätstransportkommissar war zuständig für die Koordinierung der Verwundetentransporte. Die Dienststelle befand sich innerhalb des Bereiches des Reservelazaretts V., wo auch eine Krankensammelstelle mit Übernachtungsmöglichkeit eingerichtet war.
Zur Zeit sind zwei verschiedene Stempel dieser Dienststelle bekannt. An Hand der Stempeldaten (1915 und 1918) kann vermutet werden, daß sie während des gesamten Krieges bestanden hat.
In seine Zuständigkeit fiel auch die Aufstellung und der Einsatz des Krankenzuges "Trier". Vom Kr-Zug TRIER ist noch kein Formationsstempel bekannt.

 

4. Genesungseinheiten bei der Truppe

Soldaten, deren Verletzungen oder Krankheiten auskuriert waren, die aber noch nicht voll dienstfähig waren, wurden zunächst in Genesendenkompanien / -batterien eingesetzt. Hier verrichteten sie leichte Tätigkeiten bis sie wieder für den Dienst an der Front tauglich waren.


 

Verschiedene Formationsstempel Genes.Komp. d. Ers.Masch.Gew. Komp. VIII AK. Trier


Verzeichnis der Abbildungen

Alle Abbildungen stammen aus der Sammlung und dem Archiv des Verfassers.

Verwendete Literatur

  • Kowalk, Militärärztlicher Dienstunterricht, 11. Auflage, Berlin 1915, E.S. Mittler & Sohn
  • Emil Zenz, Geschichte der Stadt Trier Bd. 2 1914-1927
  • Arbeitsgemeinschaft Deutsche Feldpost 1914-1918: 9/82 Sanitätseinrichtungen im Weltkrieg 1914/18
  • Stempelkatalog Trier Teil II "Stempel der Sanitäts- und Betreuungseinrichtungen 1914/18" (Arbeitspapier des Verfassers, nicht veröffentlicht)