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König Rudolf von Habsburg / Teil 2                                     zurück

DIETER HEINRICH

Erweiterte Fassung eines Beitrages für DIE BRIEFMARKE (Wien) Nr. 12/2008

Angesichts der Stärke des Reichsheeres musste Ottokar klein beigeben. Auf einer Donauinsel bei Wien unterwarf er sich Rudolf, tat Verzicht auf die Herzogtümer, wurde aber erneut mit Böhmen und der Markgrafschaft Mähren belehnt. "Mit gebeugtem Sinn und gekrümmten Knien", so ein zeitgenössischer Bericht, habe der herrisch, in prunkvoll geschmückten Gewändern auftretende Böhmenkönig von dem im grauen Wams auf einem Dreifuß sitzenden Rudolf die Reichslehen empfangen – eine Begegnung, die Franz Grillparzer zu einer Schlüsselszene seines Schauspiels "König Ottokars Glück und Ende" ausgestaltete.

Der Böhme war nicht gesinnt, den geschlossenen Vertrag einzuhalten, und baute eine Widerstandsfront auf. So kam es 1278 zur kriegerischen Auseinandersetzung. In der Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen gelang es dem taktisch geschickt agierenden Habsburg, das zahlenmäßig überlegene Heer seines Widersachers vernichtend zu schlagen. Die beiden Könige fochten in vorderster Front mit, trafen aber nicht – wie symbolisch auf der österreichischen Gedenkmarke dargestellt – persönlich aufeinander.

Er nahm Ottokar kam im Kampfgetümmel ums Leben. Rudolf blieb vier Jahre in Wien und bereitete mit Zähigkeit und politischem Geschick die Belehnung seiner Söhne mit den von Ottokar zurück gewonnenen Reichsländern vor. Auf dem Augsburger Reichstag 1282 wurde dieser Lehnsakt offiziell bestätigt. Damit legte Rudolf I. den Grundstein für die mehr als sechs Jahrhunderte währende Landesherrschaft der Habsburger in Österreich und bereitete den Aufstieg seines Geschlechts zu einer Dynastie deutscher Könige und Kaiser vor, die von 1438 mit nur einer Unterbrechung bis 1806 das Reich regieren sollte. Philatelistisch belegen lässt sich der Name dieser Dynastie unter anderem mit einem Schiffspoststempel der Donau-Dampfschifffahrtsgesellschaft und Stempeln des Postamtes Wien-Habsburggasse.

Die Kaiserwürde erlangte Rudolf von Habsburg nie, obwohl er oft so genannt wurde. Einen Romzug hatte er zwar mehrfach geplant, aber immer wieder verschoben, und das Personalkarussell auf dem Stuhle Petri (in seiner Regierungszeit hatte Rudolf acht Päpste als Gegenspieler) war der Sache auch nicht förderlich.


Rudolf I., der erst mit 55 Jahren – für damalige Verhältnisse schon ein hohes Alter – zur Regierung gelangt war und dem ab 1286 der spätere Mainzer Erzbischof und "Königsmacher" Peter von Aspelt als Leibarzt diente, wurde 73 Jahre alt. Als er sein Ende nahen fühlte, ritt er von Germersheim nach Speyer, das er im Morgengrauen des 15. Juli 1291 erreichte. Am gleichen Tage ist er dort gestorben. In der Ballade "Kaiser Rudolfs Ritt zu Grabe" hat Justinus Kerner diese letzten Stunden im Leben des Mannes besungen, der der deutschen Krone wieder zu Ansehen und Würde verhalf.

Seinem letzten Wunsch entsprechend wurde Rudolf I. im Kaiserdom zu Speyer beigesetzt. Seinem Grabrelief, das der Jedenspeigener Sonderstempel nur unvollkommen wiedergeben kann, verdanken wir das erste lebensnahe Bildnis eines mittelalterlichen Herrschers. "Unvergesslich" - so beschreibt Ricarda Huch ihren Eindruck - "prägt sich das lange, ernste, sorgenvolle und höchst würdevolle Kaisergesicht ein".

Als tatkräftiger, gerechter und leutseliger König ist Rudolf von Habsburg im Volke lebendig geblieben. Seine Taten besangen schon Zeitgenossen wie Heinrich von Meißen (genannt Frauenlob) und Konrad von Würzburg, Und auch in der Nachwelt haben sich immer wieder Dichter und Schriftsteller wie Friedrich von Schiller, Franz Grillparzer, Justinus Kerner und Ricarda Huch literarisch mit dieser großen Persönlichkeit unserer Geschichte auseinandergesetzt.