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Der lange Schatten von Canossa / Heinrich IV. - Kaiser und Kämpfer                                                         zurück

Dieter Heinrich

(Erstveröffentlichung in BRIEFMARKEN SPIEGEL Nr. 11/2009)

Doch der Papst trieb ein doppeltes Spiel und versuchte in der Folgezeit, zwischen Heinrich IV. und dem von einigen Fürsten als Gegenkönig gewählten Rudolf von Rheinfelden zu lavieren. Als er Heinrich schwach genug glaubte, sprach er 1180 erneut Bann und Absetzung über ihn aus.

Doch der Salier war eine Kämpfernatur. Durch eine auf Ausgleich bedachte Politik gewann er die Unterstützung der Fürsten und Bischöfe, setzte die Abwahl Gregors VII. und Wahl eines neuen Papstes durch und schlug nach dem Schlachtentod Rudolfs von Rheinfelden auch noch den nächsten Gegenkönig Hermann von Salm aus dem Felde. Mit der Kaiserkrönung durch Papst Clemens III. Ostern 1084 stand Heinrich IV. auf dem Höhepunkt seiner Erfolge.

Jetzt ging er daran, den Dom zu Speyer - die Hauskirche der Salier - neu zu gestalten. Die Bauleitung übertrug er dem Hofkaplan Otto, den er 1101 zu seinem Kanzler machte und 1102 das Bistum Bamberg übertrug. Als "St. Otto" begegnet er uns auf einer Sondermarke zum Jubiläum des Bistums Berlin.

 


Otto von Bamberg war Dombaumeister und Kanzler Heinrichs IV. (links)


In dem unter seiner Regierung geweihten und weiter ausgebauten Dom zu Speyer fand Heinrich IV. 1111 seine letzte Ruhestätte


Den Reichsinsignien fügte Heinrich IV. das Reichsschwert hinzu, dessen Scheide Bilder seiner Vorgänger von Karl dem Großen bis Heinrich III. schmücken (links)

Große Verdienste erwarb sich Heinrich IV. mit der Bekämpfung des Fehdeunwesens. Der 1103 in Mainz erlassene allgemeine Reichsfrieden drohte allen Friedensbrechern, gleich welchen Standes, peinliche Strafen an. Diese vom Adel nur widerwillig befolgte Friedenspolitik trug dem Kaiser viel Sympathie im Volke ein.

Dieses Friedens konnte er sich allerdings nicht lange erfreuen. Sein Sohn und designierter Nachfolger Heinrich V. empörte sich im Gefolge unzufriedener Fürsten gegen den Vater, nahm ihn unter Bruch des zugesagten freien Geleits gefangen und erzwang in der Ingelheimer Pfalz die Herausgabe der Reichsinsignien. Heinrich IV. gelang zwar die Flucht, doch ereilte ihn am 7. August 1106 in Lüttich der Tod.

 

In der Goslarer Pfalz kam Heinrich IV. zur Welt, in Worms und Mainz hielt er bedeutende Reichsversammlungen ab, die Ingelheimer Pfalz wurde zum Ort seiner tiefsten Demütigung

Heinrichs größte Widersacher, der machtgierige Anno von Köln und der von Zeitgenossen "heiliger Satan" genannte Gregor VII., wurden später heilig gesprochen. Den Tod Heinrichs IV. aber betrauerte das einfache Volk. Auf seinen Sarg legten die Bauern Saatkorn, sich davon Segen für eine reiche Ernte versprechend. Und im Kaiserdom zu Speyer liegt noch heutzutage manchmal eine Rose auf der Grabplatte des Kaisers, der einst nach Canossa ging.

 


Die Salier-Ausstellung in Speyer und die Canossa-Ausstellung in Paderborn gaben einen Einblick in die Gegensätze und Umbrüche, die im 11. Jahrhundert die mittelalterliche Gesellschaft erfassten