T h e m a t i s c h e  H e i m a t s a m m l u n g e n

H o m e

 Erlangen - Visitenkarte einer kleinen Großstadt                     zurück
Gerhard Binder

Eine Universität entsteht (ab 1699)

a) Die Anfänge der Universität im Überblick
b) Die "Erlanger Theologie" wird bekannt
c) Die Medizin entfaltet ihre Disziplinen
d) Die Juristische Fakultät führt ein Dornröschendasein
e) Die Philosophische Fakultät - von Anfang an selbständig
f) Die Naturwissenschaften entwickeln sich sprunghaft
g) Die Graphische Sammlung - ein besonderes Kleinod

a) Die Anfänge der Universität im Überblick


 

Markgräfin Wilhelmine (in weiß) veranlasste zur Eröffnung eine Disputation über aktuelle Probleme der Philosophie
 

1699 stiftete Groß von Trockau eine Ritterschule, die er jedoch 1741 auf Geheiß des Markgrafen Friedrich wieder schließen musste. Der Markgraf gründete dafür in Bayreuth die Friedrichsakademie, die am 4.11.1743 als Universität nach Erlangen verlegt wurde.
 

 

Zunächst führte die Universität mit 64 Studenten und 16 Professoren ein eher kümmerliches Dasein. Markgraf Alexander von Brandenburg-Ansbach verhalf ihr ab 1769 mit finanzieller Unterstützung erst zum Durchbruch, weshalb sie den Doppelnamen annahm.

b) Die "Erlanger Theologie" wird bekannt


 

Paketbegleitbrief aus Plauen von 1866 mit grünem Packkammer-Ankunftsnachweis der Königl. Sächsischen Post "Ammonstraße 37"
 


 

Ministerblock mit rechtsbündigem Druckvermerk (Reichsmark-Ausgabe) einer vorgesehenen, aber nicht verausgabten Marke (25 Stück Auflage)
 


 

verzähnt (oben)
Druck auf Gummiseite (Mitte)
Plattenfehler 1 und 2 (unten)

Lederkoffer-Begleitbrief von 1875 mit rosa Packkammer-Nachweis des Norddeutschen Postbezirks "Ammonstraße 34"

Die "Erlanger Schule" genannte Theologische Fakultät brachte Kapazitäten wie Christoph Friedrich Ammon hervor, der 1814 in Dresden Oberhofprediger wurde. Der Dichter Friedrich Hölderlin fuhr am Weihnachtstag 1793 extra nach Erlangen, um von Ammon eine "herrlich schön und hell gedachte Predigt" zu hören.


 

Provisorische Antwortganzsache aus der Tschechoslowakei
 


 

Freimarken aus 3 verschiedenen Sätzen mit unterschiedlichen Währungsangaben
 

 

Der spätere Freiheitsdichter Ch. F. D. Schubart "studierte, rumorte, ritt, liebte und schlug" sich 1758 ebenso als Theologiestudent in Erlangen herum wie der Dichter J. P. Hebel, dessen "Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes" bekannt wurde.


 

Schmuckblatt-Telegramm der us-amerikanischen Western Union (Ausschnitt): Knabenchor
 


 

Dienstpostkarte, Siegelstempel:
Institut für Kirchenmusik


 

Orgel (oben)
Kirchenchor (unten)
 

Privatganzsache,
Musikinstrument oben rechts: Posaune

1854 wurde zur musikalischen Ausbildung der Theologiestudenten das Institut für Kirchenmusik gegründet. Orgel, Blechbläser und Chorgesang stehen im Mittelpunkt seiner Arbeit. Die Einbindung des Institutes in die Fakultät ist für Deutschland einmalig.

c) Die Medizin entfaltet ihre Disziplinen

Das Clinicum Chirurgicum war 1815 Erlangens erstes Krankenhaus. Prof. (von) Heineke begann die Chirurgie des Magen-Darm-Traktes. Graser und Goetze erlangen als Operateure des Rektumkarzinoms internationalen Ruf. Heute ist Erlangen bekanntes Herzzentrum.

Prof. Walter Stoeckel wurde mit dem Lehrbuch der Gynäkologie und dem Lehrbuch der Frauenheilkunde bekannt. 1903 und 1904 arbeitete er hier an der Frauenklinik.

1828 entstand mit der Entbindungsanstalt die erste Frauenklinik. Ihr späteres diagnostisches und therapeutisches Strahlenzentrum erreichte als "Erlanger Schule" Weltruhm. 1903 und 1904 arbeitete hier Walter Stoeckel erstmals als Privatdozent.


 

Dienst-Paketkarte
 

Druckproben von gleichen Bildpostkarten mit verschiedenen Druckvermerken (81,82,83)
 

In der Anatomie wurde von Anfang an praktischer Unterricht erteilt. In der Orangerie fand sie ab 1826 eine angemessene Unterkunft. Joseph (von) Gerlach wurde dort durch die Entwicklung und Anwendung von Färbemethoden zu einem Begründer der Histologie.


 

Diese Form der Bestätigung war Voraussetzung zur Briefbeförderung
 

portofreie Regierungssache (RS) der Kreis-Irrenanstalt

Prof. Leupoldt plante die Kreisirrenanstalt der mittelfränkischen Heil- und Pflegeanstalt. Erst 1903 wurde Prof. Specht, der gleichzeitig Klinikdirektor war, eine eigene kleine Abteilung zugewiesen. So entstand die erste Universitätsnervenklinik.

Das Dienstsiegel "..Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten" berechtigte zur Verwendung von Dienstmarken

1903 entstand die Neurologische, 1905 die Kinder- und 1923 die Hautklinik. Die Fakultät zählt heute 42 Kliniken, Institute mit eigener Apotheke und über 3500 Studenten. Jährlich werden 50.000 Patienten stationär und 140.000 ambulant behandelt.

 

Die Erlanger Kieferchirurgie wurde durch die von Professor Alfred Denker (1863 bis 1941) vorgenommenen Operationen der Kieferhöhlen weltberühmt. Mit ihm spaltet sich 1916 die HNO von der Chirurgie und gibt dann die Mund-, Zahn- und Kieferkliniken ab.


 

portofreie Feldpostkarte mit Truppenstempel (oben)
Privatganzsache (unten)
 

Dienstbrief

Bereits 1778 gründete Prof. Wendt in seiner Privatwohnung das "Collegium Medicum", die erste medizinische Poliklinik. Erst 1824 wird eine Medizinische Klinik bezogen. Prof. Ludwig W. Heim tritt besonders durch Untersuchungen der Streptokokken hervor.

 

Die medizinische Forschung ging mit der elektrotechnischen Entwicklung der Erlanger Industrie einher. Die Erfolge des Röntgeninstitutes an der Frauenklinik wären ebenso unmöglich gewesen, wie die Entwicklung der Hörgeräte ohne die Erlanger Otologen.

 

Die Augenheilkunde wurde seit 1827 gemeinsam mit der Chirurgie genannt und erhielt 1893 ein eigenes Gebäude. Prof. Johann Nepomuk Öller (1850-1932) wurde u. a. durch seine ophthalmoskopischen Atlanten bekannt, die auch ins Englische übersetzt wurden.

d) Die Juristische Fakultät führt ein Dornröschendasein


 

Eckrandstück mit Ersttagsstempel
 


 

Sonderstempel
 

Paketbegleitschein für Aktenversand der königlichen Juristen-Fakultät

Die juristische Fakultät vermittelte ohne überragende Persönlichkeiten stets eine solide Ausbildung. Während ihres einsemestrigen Aufenthaltes entdeckten von hier aus die frühromantischen Dichter L. Tieck und H. Wackenroder das deutsche Mittelalter.

e) Die Philosophische Fakultät - von Anfang an selbständig

 

Die Philosophische Fakultät wurde in Erlangen sofort als gleichberechtigt anerkannt, während anderswo die Philosophen als bessere Schulmeister angesehen wurden. Neben der Lehrerbildung im Philosophischen Seminar kamen neue philologische Disziplinen dazu.

 

Friedrich Rückert (1788-1866) ist als Dichter der Biedermeierzeit sowie Interpret und Übersetzer arabischer Dichtung bekannt. Er versah den orientalischen Lehrstuhl in Erlangen von 1826 bis 1841 und arbeitete überwiegend an indogermanischen Sprachen.


 

Ludwig Tieck (links)
Die Platenstraße erinnert heute an den Dichter (rechts)
 


 

Dienst-Ganzsachenkarte von der Philosophischen Fakultät
 

Einschreiben-Nachgebühr-Rücksendebrief

Die frühromantischen Dichter Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck entdeckten seit 1793 vom Studienort Erlangen aus das deutsche Mittelalter. Der Dichter August Graf von Platen pries die Hochschule als die an Geist und Genialität wohl vorzüglichste.

Cameralistik studierten spätere Verwaltungsjuristen. 1817 immatrikulierte sich dort der Studentenführer Hans Freiherr von und zu Aufsess, der spätere Gründer des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg, dem größten Museum deutscher Kunst und Kultur.

Privatganzsache
links außen Hans Freiherr von und zu Aufsess

Exponate aus dem Germanischen Nationalmuseum

Nicht angenommener Entwurf (links oben)
und Mustermarke "100 Jahre Germanisches Nationalmuseum (rechts unten)

Johann Gottlieb Fichte, Begründer der Wissenschaftslehre und des deutschen Idealismus, ging nach Berlin und wurde dort erster frei gewählter Rektor.


 

Christian Friedrich Hebbel (1813-1863, links)
Johann Gottlieb Fichte (1762-1814, rechts)
 

 

Der Dichter Christian Friedrich Hebbel promovierte hier "bei einer Universität, wo es die wenigsten Umstände macht", in absentia mit einer Dissertation "über einige Probleme der dramatischen Kunst".

Von den bekannten Philosophen machten zwei nur einen Abstecher in Erlangen. Johann Gottlieb Fichte lehrte nach dem erzwungenen Abschied in Jena hier nur ein Sommersemester lang; Christian Friedrich Hebbel reichte hier sogar nur die Doktorarbeit ein.

f) Die Naturwissenschaften entwickeln sich sprunghaft

Die Naturwissenschaften entwickeln sich: Chemie

Justus (von) Liebig studierte hier 1821 ein Semester in einem "kaum 10 Hörern Platz bietenden Loch" und promovierte hier 1823 in absentia.


 


 

Marke rechts:
Einzelfarbandruck


 

Privatganzsache: Situation aus dem Chemischen Labor der Organiker um 1902
 


 

handschriftlicher Entwurf zur Liebigausgabe oben rechts

Dienstbrief des Chemischen Laboratoriums von 1922

1857 wurde im Schlossgarten ein eigenes Gebäude für ein chemisches Laboratorium bezogen. Wegen der stürmischen Entwicklung der Chemie bot dieses Laboratorium bald zu wenig Arbeitsplätze, so dass bereits 1901 das chemische Institut eröffnet werden musste.


 

Links Prof. H. Emil Fischer, Nobelpreisträger Chemie 1902, Computerformel von Aspirin (mitte) und Tablette (rechts)
 


 

Dienstpostkarte:
chem. Laboratorium, Entwicklungsort von Antipirin

 

Ganzsache mit Werbung:
Schmerz- und Fiebermittel auf Antipyrin-Basis
 

Unter Anleitung von Prof. H. Emil Fischer entwickelte Ludwig Knorr 1884 das Fieber- und Schmerzmittel Antipyrin. Es wurde Grundlage für vielfache Weiterentwicklungen (u. a. Aspirin) und dem weltgrößten pharmazeutischen Unternehmen, der Firma Hoechst.

Die Naturwissenschaften entwickeln sich: Physik

Die Physik wurde als selbständiges Fachgebiet 1857 unter Prof. Kohlrausch von der Chemie getrennt. Seine "Einführung in das physikalische Praktikum" hat Generationen von Studenten bis in die jüngste Zeit als Anleitung zu ihren Experimenten gedient.

Die Naturwissenschaften entwickeln sich: Optik


 

Versuchsbrief mit Lumogenbalken zur Erprobung von Stempelmaschinen
 

Privatganzsache der Deutschen Bundespost mit Lumogenbalken neben dem Markenbild; rückseitig: nach dem Lumogenprinzip arbeitende Codiermaschine

Prof. Eugen Lommel (1837-1899) führte mit Apparaturen Versuche zur Dispersion, Absorption und Polarisation des Lichtes durch. Prof. Eilhard Wiedemann beschäftigte sich mit Problemen der Optik und führte den Terminus "Luminiszenz" ein.

Die Naturwissenschaften entwickeln sich: Mathematik


 

Freistempel links oben: Ohmmeter zur Messung des elektrischen Widerstandes. Marke im Bild rechts: Elektrischer Widerstand Ohm'sches Gesetz, U=RxI Unten: Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule; Omega, Benennung des elektrischen Widerstandes
 

Dienstbrief:
Mathematisches Seminar, an dem G. S. Ohm promoviert hat

Georg Simon Ohm habilitierte 1811 bei Mathematikprofessor Rothe. So wurde hier der Grund für die Entdeckungen über den Zusammenhang von elektrischer Spannung, Stromstärke und Leitungswiderstand, das Ohm'sche Gesetz, und anderer Entdeckungen gelegt.

Die Naturwissenschaften entwickeln sich: Botanik


 

Foto-Essay eines nicht angenommenen Entwurfes für eine Sondermarke
 


 

Ersttagsstempel: C. F. PH. von Martius (oben)
Von von Martius gezeichnete Flora: Spezimen Palmen

Beide Seiten verschiedener Kartenbriefe mit gleichen Motiven: U. a. südamerikanische Palmen und Zweige

Carl Friedrich Philipp von Martius nahm an der ersten wissenschaftlichen Expedition 1817 in Brasilien teil. Neben einer grundlegenden Typensammlung der Flora Brasiliens begeisterte der Erlanger mit seiner "Monographie der Palmen" Alexander von Humboldt.

Die Naturwissenschaften entwickeln sich: Zoologie


 

Biene Fancy-Stempel, erste Periode (oben links) Privat-Post-Marke (oben rechts)
Passerverschiebungen nach links und rechts, Druck- und Zähnungsausfall (Im Bild links, unten)
 

Die Landesanstalt besitzt die weltweit größte Reinzucht von Bienenköniginnen

Das Dornröschendasein des Zoologischen Instituts konnte erst mit Ernst von Siebold überwunden werden, der mit der Erforschung der wirbellosen Tiere begann. 1907 wurde dem Zoologischen Institut die Landesanstalt für Bienenzucht angegliedert.

Die Naturwissenschaften entwickeln sich: Mineralogie und Paläontologie

Der Vermerk "German" war amtliche Voraussetzung zur Briefbeförderung

Im Verlauf des 19.Jh. gingen die naturwissenschaftlichen Fächer allmählich aus der Medizinischen Fakultät an die Philosophie über und wurden erst 1928 selbständig. Die Fächer Mineralogie und Paläontologie sind nun durch eigene Lehrstühle vertreten

g) Die Graphische Sammlung - ein besonderes Kleinod

Details aus der Apokalypse
Marken (links) und handsignierter Künstlerprobedruck (rechts): Die große Passion

Die Graphische Sammlung der Universität umfasst 1700 Handzeichnungen, 975 Holzschnitte, 4080 Kupferstiche und Radierungen sowie 370 alte Stadtpläne und Prospekte. Die bekanntesten Stücke stammen von Albrecht Dürer, davon alle hier abgebildeten Werke.