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 Erlangen - Visitenkarte einer kleinen Großstadt                     zurück
Gerhard Binder

Erweiterung durch die Ansiedlung von Hugenotten (ab 1686)

a) Bevölkerungszuwachs durch Ansiedlung von Hugenotten
b) Neue Gewerbe und Manufakturen entstehen
c) Reger Geschäftsbetrieb bedingt den ersten Poststempel

a) Bevölkerungszuwachs durch Ansiedlung von Hugenotten


 

König Louis XIV
Schloss Fontainebleau
Hugenottenkreuz
 


 

Unterschrift des Markgrafen unter dem Toleranzedikt
 


 

Hugenottenkreuz
Symbol der Treue zu Glauben und König
 

Nachnahme-FDC:
Edikt von Potsdam, Vorbild des Bayreuther Edikts
 

Am 18.10.1685 schränkte König Louis XIV im Edikt von Fontainebleau die Religionsfreiheit ein. Bereits am 7.12. erließ Markgraf Christian Ernst ein Toleranzedikt zur Ansiedlung der Glaubensflüchtlinge in sein vom 30-jährigen Krieg ausgeblutetes Land.


 

Religionsstifter Joh. Calvin
 


 

Hugenotten-Tempel
 


 

Nachträglich entwerteter Ortsbrief: Turm des Hugenotten-Tempels (Mitte)
 

portofreie Kirchensache ("KS") an das königlich franz. reformierte Pfarramt

Am 17.5.1686 trafen die ersten sechs "Hugenotten" genannten Franzosen aus der Stadt Vitry in Erlangen ein. Zur Bekräftigung seines festen Willens, schenkte ihnen der Landesherr einen Tempel, die Hugenottenkirche, deren Grundstein er am 14. Juli legte.

Der Grundriss der quadratisch angelegten Hugenottenstadt ist heute Sinnbild für die Weltoffenheit Erlangens.


 


 


 

Maschinenwerbestempel in falscher Anordnung
 

Eil-Rückantwort-Brief mit Eilboten-Stempel

1701 wurde mit dem Bau der Neustadt "Christian Erlang" begonnen. Mit der Planung wurde der Architekt Johann Moritz Richter beauftragt, der mit strengster Rationalität - rechtwinkelig - die interessanteste barocke Stadtanlage in Deutschland schuf.


 

Auslands-Ganzsache:
Stempel mit den vereinigten Wappen
 

Vorphilabriefe mit Porto- und Frankovermerken in die beiden Orte

Die beiden, von Bewohnern und Aussehen her, ungleichen Ortsteile Altstadt Erlangen und Christian-Erlangen unterstanden wegen Eifersüchteleien getrennten Verwaltungen. Nach zwei Fehlversuchen gelang erst am 1.4.1812 die endgültige Vereinigung beider.


 

Privatganzsache:
Hugenottenfamilie als Hoflieferant
 

Schlossansichten mit Standbild des Markgrafen sowie Hugenottenbrunnen

Das Schloss inmitten der Neustadt ist ein Stockwerk höher als alle anderen Gebäude und zeichnet sich durch reiche Pilastergliederung, Dreiecksgiebel und figürliche Bauskulptur aus. Den Brunnen im Schlossgarten stifteten die dankbaren Hugenotten.

b) Neue Gewerbe und Manufakturen entstehen


 

Die Privatbrauerei Kitzmann führt heute als einzige die große Brautradition fort
 


 

Keller der Brauereien Erich, Hübner & Stahl, Nicklas, Erlwein & Schultheiß, Henninger-Reif
 

Kellerhäuschen und Gartenwirtschaften mit Bergkirchweih

Seit 1675 wurden in den Burgberg Felsenkeller zur Lagerung von Bier gegraben. Sie erhielten 1718 die charakteristischen Kellerhäuschen. 1706 gab es in Erlangen bereits 10 Brauereien, deren steigender Absatz das Erlanger Bier weltbekannt machte.


 


 


 

Die Firma Gack stellte früher u.a. auch Strümpfe her.

63 % der Hugenotten kamen aus der Textilverarbeitung und waren Strumpfwirker, Weber, Spinner und Färber. Die Strumpfwirkerei lebte in Erlangen als erste auf und wurde in Verlagsform, d.h. mit einem Verleger und selbständigen Heimarbeitern organisiert.

Karl May's Reiseerzählung "In den Schluchten des Balkan" zeigt, wie bekannt Erlanger Bier war. In einer Szene fragt Kara Ben Nemsi den Wirt nach dem Braumeister: "Wie heißt das Land, aus dem er stammte?" - "Ich habe mir den Namen genau gemerkt. Es heißt Erlanka." - "Du hast, wie es scheint, dir den Namen doch nicht ganz gemerkt." - "O doch! Er lautet wirklich Erlanka." - "Oder wohl Erlangen?" - "Erla-, Effendi Du hast recht..." - "Ja, aber Erlangen ist nicht ein Land, sondern eine Stadt in Bavaria." ....


 

Postbehändigungsschein mit amtlichem Eintrag des Briefträgers: "Betrieb der Weißgerberei im Anwesen des Handschuhfabrikanten..."

 

Ganzsachenkarte: Lamm, aus dessen Fell Handschuhleder gegerbt wurde

Weißgerber stellten aus Lamm-, Schaf- und Ziegenfellen das zur Handschuhfabrikation benötigte weiße Glacéleder her. Wegen der Geruchsbelästigung waren sie in der separaten Gerberei untergebracht. 1792 gerbten 7 Meister mit 28 Arbeitern 144.000 Felle.


 

Herren-Stulpenhandschuhe
Damen-Glacéhandschuhe
 


 

damalige Handschuhfabrikanten;
Standort Gerberei
 

Anzeigen-Ganzsachenbrief mit Teilkopie der Innenseite: schwarze Glacéhandschuhe

Auch die Handschuhfabrikation wurde von den Hugenotten eingeführt. Um 1774 wurden bereits in 8 Werkstätten, "Boutiques" genannt, von 200 Näherinnen über 120.000 Paar Handschuhe, besonders für den Export nach Süddeutschland und Sachsen hergestellt!


 

"Homburg"
 


 

Reklame-Markenheftchen Frankreich:
Herr mit Filzhut
 


 

"Bowler"
 


 

"Kreissäge"
 


 

Rohstofflieferant Hase
 

Ganzsache:
"Bauern, für Kaninchenpelze bekommen wir Traktoren aus dem Ausland!"
 

Erlanger Hüte waren weltberühmt! 1775 waren damit etwa 300 Menschen beschäftigt, die aus jährlich 200.000 Hasen- und Kaninchenbälgen über 80.000 Filzhüte im Wert von über 200.000 Gulden herstellten und nach Süddeutschland und ins Ausland exportierten.

Zeitungsgeld-Quittung der Königlich Baierischen Post-Verwaltung Erlangen
 

Die zwischen 1741 und 1829 erschienene "Erlanger Real-Zeitung", die selbst in Amerika Bezieher hatte, brachte Erlangen mehr Ruf ein, als die Universität. Ihr Begründer, Professor Johann Gottfried Groß, gilt als erster Berufsjournalist in der Welt.

c) Reger Geschäftsbetrieb bedingt den ersten Poststempel


 

Zeitgenössische Postkutsche, Postreiter und Fußbote
 


 

Brief mit handschriftlichem Herkunftsvermerk "de Erlang" von 1723
 

Postbrief mit dem Stempel "v.Erlang", wie er seit 1741 verwendet wurde

Für einen außerordentlichen Geschäfts- und Handelsverkehr sprechen die Einführung des ersten Poststempels im heutigen Bayern bereits 1741 und die Erhebung der erst 1653 eröffneten Taxisschen Reichsposthalterei zum Kaiserlichen Reichspostamt 1749.